Abstillen Teil 2

„Kannste machen, läuft dann nur anders und meistens von selbst,“ schrieb ich im ersten Teil meiner Abstill-Geschichte in Bezug auf Pläne und Kinder.

Und wie fast alles, was die Entwicklung meines Kindes, die Erziehung, und überhaupt Dinge, über die ich mir im Vorhinein unwahrscheinlich viele Gedanken mache, angeht, lief auch das Abstillen einfach irgendwie von selbst.

Mittags müde – also ich

Nach meinem großartigen Phasenplan stillte das Kind nur noch zum Mittagsschlaf und abends zum Einschlafen (manchmal auch nicht, immerhin) und nachts und morgens zum Aufwachen (besonders am Wochenende zum Ausschlafen). Also ganz selten quasi. Also immerhin nicht mehr so zwischendurch. Hm.
Nachts stillte es dann auch noch besonders viel und lange, das war ganz toll. Aber ich hatte einfach keinen Nerv, das irgendwie zu ändern.

Dafür ging dann auch noch der Mittagsschlaf kaputt. Das Kind schlief oft nicht ein, obwohl wir doch alle daran gewöhnt waren. Schlimmer noch, es war trotz Mittaggschlafmangel am Nachmittag oft munter und aktiv. Vorhersagen ließ sich auch nicht, ob es am Nachmittag wohl pennen würde oder nicht. Dafür wollte die damals Balddreijährige plötzlich länger im Kinderladen bleiben. Verrückt! Dass das mal kommen würde, hatten mir einige Eltern prophezeit, doch ich hatte erst in so zwei bis zehn Jahren damit gerechnet! Na gut, damit war der Mittagsschlaf endgültig vom Tisch.

Abends müde – also ich

Eines Tages jedoch ergriff mich eine so bleierne Müdigkeit, Motivationslosigkeit, Schwäche. Und dann auch noch Übelkeit! *zwinker zwinker* Ich musste abends früher ins Bett, am liebsten so 20.30 Uhr spätestens. Allein das Kind wollte doch nicht ohne seine Mama zu Bett gehen und das schon gar nicht vor halb zehn! Bisher hatte es nie auf Dauer funktioniert, dass Papa die Einschlagbegleitung übernahm. Wie das aber so ist mit Kindern – wenn es muss, dann geht es. Es ging also. „Mama ist müde, weil sie schwanger ist, sie muss ins Bett. Du kannst auch schlafen gehen oder noch mit Papa aufbleiben.“ Anfangs brachte mein Mann mir nach nicht allzu langer Zeit das müde Kind ins Bett zum Einschlafstillen. Nach wenigen Tagen bekam ich das in der Hängematte in den Schlaf geschaukelte Kind, dass dann fünf Stunden oder mehr ruhig schlief. Ohne zu stillen. Wow!

Übergang

Der Rythmus etablierte sich, meine Müdigkeit legte sich allerdings wieder und das spürte auch das Kind. Sofort musste ich wieder die Abendroutine übernehmen, doch wurde Stillen als Mittel zum Einschlafen immer unwichtiger. Das Kind schlief sogar bisweilen einfach im Bett ein, während es auf mich wartete! (Nein, wirklich, ein paar Monate zuvor hätte ich das nicht für möglich gehalten!) Auch nachts schrumpften die Stillgelegenheiten in Häufigkeit und Länge. Das war gut, denn durch meine Schwangerschaft tat es weh. Zwischendurch unterbrach ich also auch mal das Kind, bat um kurzes Stillen oder darum, lieber zu kuscheln. Und auch das klappte und auch das wäre früher nicht ohne Geschrei möglich gewesen. Wat mutt, dat mutt – so denken Kinder und stoppen immer ganz kurz vor der Belastungsgrenze ihrer Eltern bzw. direkt darauf.

Immer weniger wurde so in der Nacht gestillt. Nur zweimal. Zweimal kurz. Einmal. Die erste Nacht ohne. Die zweite…

Abgestillt.

Etwa einen Monat nach ihrem dritten Geburtstag. Einfach so irgendwie. Mit Plan und ohne, mit ein bisschen Frust und dann doch viel Gelassenheit. Langsam, Stück für Stück. Kein lachendes und kein weinendes Auge – ich bin einfach zufrieden mit den drei Jahren des Stillens und mit dem Ende desselben.

Kuscheln wurde hingegen nochmal intensiviert. Dafür dass das Baby damals überhaupt nicht kuscheln wollte… Jetzt haben wir ein Kuschelmonster, nichtdassichmichbeschwerenwollte. Und die gleiche Magie wie beim Stillen wirkt: Kind ins Bett, es quatscht, wirkt nicht schläfrig. Doch nach zwei Minuten Stillen ist es plötzlich schon eingeschlafen. Die gleiche Macht hat nun das Kuscheln.
Noch wundersamer: das Kind schläft einfach so ein. Im Bett liegend, wenn ich den Raum noch verlasse, um mir die Zähne zu putzen. (Dass sie mir das überhaupt inzwischen erlaubt…!) Komme wieder und das Kind schläft. Wird noch lange dauern bis ich mich an dieses Wunder gewöhnt habe…

Fazit

Manchmal stört zuviel Druck. Pläne sind nett, aber wenn sie für mich und meine Familie Stress bedeuten, hilft es uns immer, sie über den Haufen zu werfen.
Manchmal braucht es Druck. Zum Beispiel eine übermüdete Mutter, die einfach früher ins Bett muss. Dann können Kinder sich überraschend gut anpassen.

Stillen während der Schwangerschaft? Ging am Anfang, tat aber mit der Zeit immer mehr weh. Ich kenne Frauen, die es gemacht haben und welche, die es ließen. Es ist erstmal möglich und wenn es nicht mehr passt, findet sich ein Weg.

Meine frühere Frauenärztin meint ja immer noch, dass eine Befruchtung während der Stillzeit sehr unwahrscheinlich ist. Hm. Weiß nicht, wie evidenzbasiert diese Aussage ist… Ich würde jedenfalls nicht empfehlen, auf Verhütung zu verzichten, wenn das Stillkind gerade kein Geschwisterkind bekommen soll.

Jetzt gönn ich mir jedenfalls erstmal ein paar Monate stillfrei und dann geht’s wieder los. Neues Kind, neue Geschichte.

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2 Kommentare zu „Abstillen Teil 2

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  1. Ich habe den Eindruck, bei „Stillen“ denken auch viele Ärzt_innen nur an Vollstillen. Und dann stillt mensch ja doch so häufig, dass (so Eizellen vorhanden sind) sie wenig Gelegenheit zum Ausreifen bekommen. (Als Verhütungsmethode würde ich mich aber auch nicht drauf verlassen.)

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