Mein Drei-Wochen-Abstill-Plan

Ich hatte einen großartigen Drei-Wochen-Abstill-Plan. Und er hat funktioniert.

Also irgendwie. Also irgendwie auch nicht. Und wie immer lautet meine Haupterkenntnis zum Thema Pläne und Kind: Kannste machen, läuft dann nur anders und meistens von selbst. Hier also meine Abstill-Geschichte – Teil 1. (Teil 2 folgt.)

Der Plan

Das Kind war so zweieinhalb und der Plan ergab Sinn. Zum Abstillen sollten Zeit und Ruhe da sein, kein Druck und kein Stress von außen. Druck von außen hätten sein können: ein neues Baby oder die erwartete baldige Ankunft eines solchen. Oder vielleicht auch Energiemangel meinerseits aufgrund einer Schwangerschaft. Also wollte ich schon das Stillen des großen Kindes beenden, bevor ich eventuell in die Produktion eines zweiten Kindes einsteige. Und Kita ist ja auch stressig, weswegen ich die dreiwöchigen Kitaferien ideal fand für eine Abstillphase.

Damals stillte die Zweieinhalbjährige nachmittags zum Mittagsschlaf, abends zum Einschlafen, nachts passim und morgens zum Aufwachen. Und gelegentlich auch in besonders stressigen Momenten außer Haus. Für die Ferien war zu erwarten, dass der Mittagsschlaf ausfällt und damit gleichzeitig eine Stillgelegenheit.

Für Phase 1 nahm ich mir also vor, das Stillen außerhalb von Schlafsituationen zu unterbinden. Und wenn der Mittagsschlaf ausbleibt, wird so dann eben nur noch abends, nachts, morgens gestillt.

Phase 2 sollte beinhalten, dass das Kind abends irgendwie ohne zu stillen einschläft.

In Phase 3 sollte das Stillen in der Nacht und den frühen Morgenstunden aufhören und das Kind somit abgestillt sein.

Drei Wochen, drei Phasen – so grob könnte das ja passen, dachte ich mir.

Die Umsetzung

Ich sprach mit dem Kind jedes Mal vorher über die geplanten Veränderungen, meist so einen oder zwei Tage vorher. Etwa so: „Also heute Abend still ich dich nochmal zum Einschlafen und morgen Abend schauen wir mal, ob du ohne zu stillen einschlafen kannst.“ Sie nahm das immer ruhig und offen auf.

Bei Phase 1 war wirklich von Vorteil, dass das Kind in den Ferien keinen Mittagsschlaf benötigt. Die Herausforderung bestand also nur darin, Stillanfragen tagsüber abzulehnen. Die kamen zum Glück ohnehin eher selten. Wenn, dann lehnte ich ab und schlug Kuscheln als Ersatz vor. Die Begeisterung hielt sich meist in Grenzen, also erhöhte ich die Bestechung und bot zum Beispiel Kakao an. Manchmal klappte das, manchmal gab es ein paar Tränen – aber nur kurz und selten. Das lief besser als erwartet! Ich konnte die nächste Phase also sogar vor Ende der ersten Ferienwoche einleiten.

Phase 2 übertraf meine Erwartungen dann nochmal. Gelegentlich war das Kind ohnehin schon in der Hängematte eingeschlafen. Die gehörte fest zum Einschlafritual – erst müde schaukeln, dann ins Bett zum Stillen. Ich sprach wieder vorbereitend mit ihr. Sie solle versuchen, von allein einzuschlafen. Sie war sehr skeptisch, aber bereit, sich darauf einzulassen. Am ersten Abend war es spät und sie war schon sehr müde. In der Hängematte beschwerte sie sich auch noch mal heftig über dieses blöde Vorhaben – und war zwei Minuten später eingeschlafen. So konnte ich am nächsten Tag mit dem gelungenen Ausgang des Experiments auftrumpfen. Begeistert war das Kind noch immer nicht, aber der Erfolgsquote konnte sie nicht widersprechen und so war sie an den folgenden Abenden bereit, fortzufahren. Und mit was für einem Willen! Lange lag sie in der Hängematte, ohne sich irgendwie zu beschweren. Und die Augen kniff sie zu. Ganz bewusst und entschlossen bemühte sie sich nach Kräften, selbst einzuschlafen. Und es klappte jeden Abend.

Die ersten paar Nächte stillte sie dafür umso mehr. Und dann plötzlich weniger. Erstmal schlief sie so fünf Stunden wie ein Stein. Dann stillte sie wieder recht viel, aber mit der Zeit änderte sich ihr Stillverhalten. Sie nuckelte nur noch kurz und ließ dann (nota bene!) los, bevor sie auch wegdrehte und einschlief. Jaha, das war neu für mich! Und so schien sich das nächtliche Stillen langsam auszuschleichen…

Hiatus

Eine Übernachtung andernorts kam mir dann leider dazwischen. Da klappte das Einschlafen gar nicht – gab ja keine Hängematte. Ich hätte die Ausnahme wohl gleich akzeptieren sollen, wollte aber natürlich nicht das Erreichte zunichte machen. Es gab viel und langes Geschrei und schließlich gab ich nach, weil das Kind sich gar nicht mehr anders beruhigen konnte. An den nächsten zwei Abenden zu Hause wurde es dann auch schwierig und die Zeit danach war durchwachsen. Mal klappte das Einschlafen in der Hängematte, mal nahm ich ein noch etwas waches Kind mit ins Bett. Na gut, so ist das eben…

Druck machen (?!)

Gegen Ende meiner Drei-Phasen-Phase stellte ich mir Fragen:
Wie geht das jetzt abends weiter? Wie soll ich nachts abstillen? Wie geht es weiter, wenn die Kita wieder anfängt?
Denn zu dieser Zeit und schon seit ihrem Einstand im Kinderladen wurde das Kind nach dem Mittagessen dort abgeholt, um dann hundemüde zu Hause an Mamas Brust einen ausgedehnten Mittagsschlaf zu halten. Mir schwante, dass eine Verweigerung meinerseits den Tagesablauf und die Stimmung empfindlich stören würde.
Und nachts… da verstand das Kind keinen Spaß. Noch nie. Im Halbschlaf suchte es die Brust, schon seit es im Alter von vier Monaten seinen Nuckel abgeschafft hatte. Bei Brustentzug war nicht mit einem schnellen, friedlichen Wiedereinschlafen zu rechnen.

Ich hatte keine Lust. Auf Stress, Geschrei, Tränen. Eine schmerzhafte Trennung. Ach. Ich beschloss, es gut sein zu lassen.

Ergebnis des 3-Phasen-Plans
Phase 1: Erfolgreich.
Phase 2: Äh, irgendwie manchmal.
Phase 3: Nö.

Ein bisschen war ich frustriert, weil erst alles so gut geklappt hatte und wir gefühlt spätestens nach den Ferien wieder fast beim Ausgangspunkt waren. Ein bisschen war ich erleichtert, weil der Druck dann wieder weg war. Noch war ich ja nicht schwanger. Und vielleicht könnte ich auch während der Schwangerschaft abstillen. Vielleicht ist das alles gar nicht so kompliziert und dramatisch.

Schön war auf jeden Fall, dass die einzelnen Schritte gut und fast ohne Tränen abgelaufen sind. Ich hatte einen festen Plan und war mir sicher und mein Kind war bereit, sich darauf einzulassen. Als ich mir unsicher wurde, als ich das Gefühl hatte, es könnte zu hart werden, änderte ich meinen Plan und das war auch in Ordnung. Für mich, fürs Kind, für alle.

Meinen Phasenplan finde ich immer noch gut. Hätten wir noch viel mehr Zeit ohne Kita gehabt, hätte er womöglich vollständig funktioniert. Er hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass eine Reduktion des Stillens (auch für mich) möglich ist – auch mit einem älteren Kind, das Stillen liebt und einen starken eigenen Willen hat.
Und wie wurde dieses Kind nun von der Brust entwöhnt? Lest bald in Teil 2…

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