Wie unser Kind seinen Namen bekam

 

Es begab sich einst, dass ein König und eine Königin nach einem Namen für ihr Ungeborenes suchten. Dieses war ihr erstgeborenes Kind und es beliebte ihnen nicht, bei einem Quacksalber zu erfragen, ob sie eine Prinzessin oder einen Prinzen bekommen würden. So hatten sie die schwere Aufgabe, zwei Namen zu finden. Mindestens.

Sie hatten einige Ideen, doch wohl nicht so viele wie sie gern gehabt hätten. Da sprach eines Tages der König zur Königin: „Dieser Name, den du dir überlegt hast, steht im Zeichen des Feuers.“ Der König verstand sch nämlich auf die ein oder andere magische Kunst und hatte allerhand wundersame Ideen im Kopf.

Nun fiel die Königin aus allen Wolken und rief: „Wie, mein Gemahl? Sollen wir für jedes der vier Elemente – Erde, Luft, Feuer und Wasser – einen Namen wählen und dann auch noch je einen männlichen und einen weiblichen? Das sind ja…“, sie zählte an den Fingern ab, „… acht Namen! Bisher konnten wir uns kaum auf einen einigen!“

Der König lächelte gleichmütig und zuckte mit den Schultern. „Ist dann wohl so“, brummte er behaglich.

So gestaltete sich die Namenssuche fortan umso schwieriger. Königin und König wälzten Bücher und befragten die Zaubermaschine, die-alles-findet. Manchmal war die Königin froh über einen wohlklingenden Fund und legte diesen dem König vor und dieser sagte dann etwas wie: „Ein schöner Name! Ich spüre, dass er dem Element Erde zuzuordnen ist. Schade, dass wir schon zwei Erdnamen haben!“ Manchmal stritten sie sogar darum, welchem Element ein Name dem Klang und der Geschichte nach wohl angehöre. Die Königin war der Verzweiflung nahe!

Nun hatte sie allerdings weise Hebammen um sich herum, die recht genau vorhersagen konnten, in welchem Mond der königliche Nachwuchs zu erwarten sei. Und die Königin selbst besaß ein dickes Buch über die Kunst der Sterndeutung. So gelang es ihr, zu ermitteln, dass ihr Kind mit größter Sicherheit im Zeichen des Skorpion, einem Wasserzeichen, geboren werden würde. Ganz sicher war sie sich. Selbst, wenn das Kind überaus spät zur Welt käme, wäre es auf jeden Fall Skorpion geboren. Oft schlug die Königin ihr großes, dickes Sternenbuch auf und las immer wieder nach. Ja, ein Wasserkind würde es werden. So musste die Königin zwar einen ihrer liebsten Namen verwerfen, doch schließlich gelang es ihr und dem König, sich auf zwei würdige Namen zu einigen.

Das Kind indes wollte und wollte nicht geboren werden und es bedurfte all der Kunst der königlichen Hebamme, es dazu zu bringen, auf die Welt zu kommen. Am allerletzten Tag, den die weisen Hebammen errechnet hatte, wurde endlich die königliche Tochter geboren. Die Geburt des Kindes war in der Tat überaus wässrig: im Wasser kam das Mädchen zur Welt und trug dabei noch ihre gesamte Fruchtblase!

„Eine wahre Wasserprinzessin!“, dachte die Königin und taufte die Tochter noch im Wasser mit ihrem erwählten Namen.

Allein… die Götter hatten ein seltsames Spiel mit den Augen der Königin getrieben. So oft hatte sie in ihren dicken Buch gelesen und so sicher war sie sich gewesen.

Und tatsächlich: eine Tag früher hätte die Geburt der Prinzessin im Sternbild des Skorpion gestanden.
Doch nun trat der König ans Bett der Königin und sprach: „Ich will dich ja nicht ärgern, aber die Kleine ist Schütze.“

Und so haben wir ein im Wasser geborenes Feuerkind und wohin das führen wird, das steht wohl nicht mal in den Sternen!

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