„Mein Nachbar Totoro“ – Film-Liebe

„Mein Nachbar Totoro“, 1988, Japan, Studio Ghibli  

Ich möchte euch diesen Film empfehlen. Für eure Kinder, für euch. Schaut ihn euch an. Review Ende. 

Hm. Ok, das ist etwas kurz. Was soll ich denn bloß zu „Totoro“ schreiben, außer *schwärm, schwärm*…? 

Kindheitserinnerungen habe ich keine an „Totoro“, weil ich eben leider nicht mit Ghibli-Filmen aufgewachsen bin. Meine Kindheit war jetzt deswegen nicht unbedingt furchtbar oder verschwendet. Nur vielleicht fast ein bisschen. 

Ich könnte „Totoro“ mit Disney-Filmen vergleichen, die ich sehr wohl aus meiner Kindheit kenne. Ich könnte darauf hinweisen, wie herrlich frei von Disneyschen Prinzessinnen-Klischees, vorhersehbarer Story und abgedroschenem Gut-Böse-Dualismus die Ghibli-Filme generell sind. Das wäre allerdings einen eigenen ganzen Artikel wert und würde nichts über die Magie von „Totoro“ aussagen. 

Ja, Magie, vielleicht ist es das…

Magisch ist dieser Film, und das ohne Zauberstäbe, Funken und verwandelte Kürbisse. In „Totoro“ begegnet uns die Magie der Kindheit – und was ist nicht alles magisch, wenn man ein Kind ist? Der Sommer, der Wald, Kaulquappen, der Wind, ein Ausflug mit dem Vater, das erste selbst zubereitete Lunchpaket, die Geschichten in Bilderbüchern. 

All diese Dinge erleben die beiden Schwestern Satsuki* (vielleicht sieben Jahre?) und Mei (etwa vier) in vollen Zügen, mit Begeisterung und Staunen. Fast nebenbei begegnen sie Totoro, dem „Hüter des Waldes“, und er wird irgendwie Teil ihrer Welt voll alltäglicher Wunder. 

Eher als Hintergrund für diese wunderschönen Episoden dient die Geschichte, in der die beiden Kinder mit ihrem Vater in ein ziemlich verfallenes Haus auf dem Land ziehen, während ihre Mutter für längere Zeit im Krankenhaus ist. Viel mehr Haupthandlung gibt es eigentlich nicht, stattdessen begleiten wir Satsuki und Mei dabei, wie sie ihre neue Umgebung erkunden, Rußkobolde entdecken, im Haushalt helfen, die Mutter besuchen und eben dem Totoro begegnen. Setting ist das rurale Japan der späten 1950er – idyllisch ist das, aber kein bisschen kitschig. Die Darstellung der Natur ist einfach nur beeindruckend und viele typische Dinge des japanischen Alltags dieser Zeit (eine Feuer beheizte Badewanne, Lunchboxen mit Reis und Fisch, Götterstatuen am Wegesrand) sind für uns exotisch und auch wieder magisch. Die Charaktere sind liebenswert und besonders die Kinder sind zauberhaft realistisch: so oft habe ich schon die Zweijährige in Bewegungen und Mimik von Mei erkannt! 

Es gibt keine Bösen im Film, keine zu bekämpfende Bedrohung. Ja, gegen Ende wird es ein bisschen aufregend, aber es muss nicht gekämpft werden und das Abenteuer ist schnell überstanden. So wird auch keine moralischer Zeigefinger erhoben, stattdessen leben uns die Charaktere einfach ganz selbstverständlich vor, was ich an Werten gern auch meiner Tochter vermitteln möchte:

  • Niemand wundert sich darüber, dass Satsuki und Mei gerade mit ihrem Vater allein leben. Er kümmert sich um seine Töchter liebevoll und selbstverständlich und bekommt dabei auch ganz selbstverständlich Unterstützung von Leuten aus der Umgebung.
  • Satsuki wiederum gibt auf ihre kleine Schwester Acht und beide helfen im Haushalt, wo sie können, ohne das Spielen zu vernachlässigen. 
  • Der Natur wird großer Respekt, Dankbarkeit und Bewunderung entgegengebracht. 

Zum zweiten Geburtstag habe ich unserer Tochter „Totoro“ geschenkt und seitdem haben wir ihn oft (mal am Stück, mal teilweise) angesehen und eigentlich werde ich des Films nie müde. Es gibt eben keine mitreißenden Songs, die man sich irgendwann doch überhört hat, keine albernen Dialoge, deren Pointen man schließlich mitsprechen kann. Der Soundtrack ist wunderschön, aber unaufdringlich und die Dialoge authentisch, aber reduziert. Die deutsche Synchro ist angenehm, abgesehen von zwei unnötigen Eindeutschungen (Buddha zu Jesus und Mochi zu weißichnichtmehr). 

Die Zweijährige liebte „Totoro“ von Anfang an und ich glaube, das ist auch nicht schwer. Der Film ist nicht gruselig und bietet kleinen Kindern leichten Zugang, aber auch Kinder im Grundschulalter werden sich sicher dafür begeistern. Ich liebe ihn ja auch! 

Fazit:

Diese Review ist recht einseitig. Ich habe nichts negatives zu schreiben und das, obwohl ich gar nicht bezahlt werde! Aber Liebe und Magie soll man ja verbreiten! 

*In der deutschen Version hört sich der Name für mich jedes Mal wie „Saki“ an, aber Wikipedia behauptet, sie heiße Satsuki. 

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9 Kommentare zu „„Mein Nachbar Totoro“ – Film-Liebe

Gib deinen ab

  1. Wie könntest du etwas Negatives schreiben? Ich liebe diesen Film für die Darstellung der Natur und den Zauber der anderen Welt, die sowohl das weit entfernte Japan ist als auch die der kindlichen Fantasie.

    Das Lesen deiner Review „made my day“! Danke

    Gefällt 1 Person

    1. Ich weiß das ja, dass das U stumm ist, aber ich erwarte dann eher ein „Satzki“ und es klingt in der deutschen Version wirklich nur wie „Saki“. Oder ist es vielleicht ein stummes „tsu“, das nur eine Pause markiert? Muss mir mal die japanische Version anhören!

      Gefällt mir

  2. Ich (und die Jungs und Leander genauso) LIEBEN Totoro genauso. Ein phantastischer Film. ❤
    Aber ich glaube gar nicht, dass "Jesus" eingedeutscht ist. Es leben doch einige Christen in Japan und eine solche Szene wäre nicht verwunderlich.

    *google*

    Oh, okay, es ist doch eingedeutscht, allerdings nicht von Buddha zu Jesus: "Eine weitere Abweichung betrifft den Kinderschutzgott Jizō: Bei einem kurzen Bittgebet wird dieser zu Jesu." (https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Nachbar_Totoro#synchronisation)

    Gefällt 1 Person

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