Pizza aus Kindern – eine Spielidee

 

(Titelbild einer Pizza von David Nuescheler über unsplash.com)

In den Jahren 20XX bis 20XY begab es sich, dass ich ob meiner postschulischen Zukunft ungewiss allerhand Erwerbstätigkeiten für mich in Erwägung zog und noch unzählige mehr ganz und gar nicht in Erwägung zog. Zur besseren Übersicht und zur Abwechslung erwählte ich mir eine Praktikumstelle in einer Ergotherapiepraxis. Hauptsächlich Kinder würden dort behandelt und es war eine schöne Zeit. (Nein, Ergotherapeutin bin ich nicht geworden.)
Fachwissen ist mir aus der Zeit eigentlich nicht erhalten geblieben, aber es war ja auch ein Praktikum und kein Theoretikum. Gerade jetzt, da ich inzwischen selbst ein Kind habe, blitzen bei mir jedoch gelegentlich Spielideen auf und dabei denke ich dann Worte wie „propriozeptiv“ und „sensorische Integration“, ohne dass ich mich ihrer genauen Bedeutung entsinne. Aber das ein oder andere Spiel kann man ja auch spielen, ohne dessen genaue Auswirkungen auf die psychomotorische (?) Entwicklung protokollieren zu können. Deshalb hier nun:

Pizza backen

Zutaten für eine Pizza:

1 Kind

3 bis 100 Körnerkissen (Kirschkernkissen oder ähnliches, ersatzweise normale Kissen, Kuscheltiere usw.)

Tücher, Decken nach Belieben

gern 1 Sitzsack oder ähnliches

Nudelholz, Massageroller oder ähnliches

Das Kind legt sich auf den Rücken auf dem Boden – es ist der Pizzateig und muss nun schön platt ausgerollt werden. Dazu kann man es ein wenig kneten, massieren, sanft zu Boden drücken, vorsichtig mit Nudelholz oder Massageroller bearbeiten… Ist das Kind sehr aufgedreht, hebt es vielleicht Beine und Arme immer wieder und so wird ein Spiel daraus, den Teig endlich richtig glatt zu bekommen.

Nun kann die Soße verteilt werden: ein dünnes Tuch wird über den Körper gebreitet. (Das Gesicht bleibt natürlich beim gesamten Spiel frei, damit das Kind atmen kann.) Vielleicht habt ihr verschiedenfarbige Tücher und das Kind möchte wählen, welche Soße auf die Pizza soll.

Jetzt folgt der Belag: Salami, Mais, Pilze, Thunfisch – äh, Kissen, Kissen, Kissen. In der Ergo-Praxis gab es tatsächlich so 15 oder 20 Fühlsäckchen, kleine Stoffsäckchen gefüllt mit Körnern oder Sand. Die sind wunderbar schwer auf dem Körper. Leider habe ich nur zwei Kirschkernkissen zu Hause und nehme dazu dann normale Sofakissen, ist eben keine ergotherapeutische Behandlung. All das wird auf den Körper des Kindes gepackt, natürlich mit Ansage und eventuell mit Festdrücken.

Der Käse könnte in Form einer zusätzlichen Decke hinzugefügt werden. Oder wieder: Kissen.

Nun braucht es zum Backen etwas Kreativität. Ein Sitzsack oben drauf könnte der Ofen sein. Oder eine dicke Decke, ein Spielteppich oder gar ein/e Erwachsene/r, der oder die sich vorsichtig auf Kind und Haufen legt.

(Ja, wirklich, wir machen unsere Tochter gelegentlich „platt“! Einfach drauflegen. Natürlich muss man sich selbst gut abstützen, um das eigene Gewicht angemessen zu dosieren und schnell wieder hochzukommen. Die Zweijährige mag das sehr! Das ist quasi die Schnellversion vom Pizzabacken.)

Die Pizza ist fertig, wenn das Kind aus dem Haufen wieder raus will, was meiner Erfahrung nach nur wenige Sekunden dauert. Lediglich einmal hab ich in der Praxis ein Kind erlebt, das mehrere Minuten unter dem Berg liegen wollte. Je nach Laune kann das Kind ausgegraben werden oder sich selbst befreien.

Warnung: Fangt dieses Spiel nicht an, wenn ihr nicht bereit seid, es die nächste halbe Stunde zwanzigmal zu wiederholen!

Den Körper spüren

Darum geht es irgendwie. Ich initiiere dieses Spiel gern, wenn ich das Gefühl habe, das ein Kind ganz überdreht ist – wenn das Toben zu heftig oder aggressiv ist, die Konzentrationsfähigkeit ganz fehlt, das Kind gereizt ist usw. Hibbelig. Das Spiel erdet – mir fehlt, wie gesagt, das fachliche Wissen, aber ihr wisst sicher, was ich meine. Lasst euch einfach mal selbst von einem anderen Erwachsenen „platt“ machen, dann bekommt ihr einen Eindruck vom Effekt.

Nachtisch

In der Ergo-Praxis gab es übrigens keine Gummibärchen für brave Kinder oder so. Es gab aber (oft auf Nachfrage der Kinder) Eiswürfel. Einen Eiswürfel zu lutschen, wurde mir gesagt, hilft auch, das Körpergefühl wieder ein bisschen herzustellen und sorgt somit für etwas Ruhe und bessere Konzentration.

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5 Kommentare zu „Pizza aus Kindern – eine Spielidee

Gib deinen ab

  1. Ich kenne das Spiel aus meiner Arbeit und da geht es ganz ohne Hilfsmittel! Der Erwachsene sitzt auf einen Stuhl, das Kind legt seinen Oberkörper über die Beine! Mit den Fäusten auf dem Rücken rollen, die Hände auf den Rücken Flatschen für die Soße, Tomaten und Salami etc kleinschneiden auf dem Rücken und dann mit verschiedenen Flächen und Stärke der Hände verteilen , käse rüber streuen , der Ofen ist der erwachsene , der sich über das Kind beugt, je nach Kind freier oder fester! Dann ist sie fertig und wird zerschnitten und jeder darf mal kosten 😉 und dann kommen die andren 19 Kinder dran ;)! Das schöne so ist , es kann überall und immer geschehen 😉

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      1. 😉 Ich verbringe wochentags täglich acht Stunden mit bis zu 21 Kindern zwischen 3 und 6! Meistens spiele und bastel ich 😉 trösten, erklären und manchmal doofe schimpfen kommt auch vor. Und po abwischen , Brote schmieren, zum fünften mal den Boden auf wischen … Ich bin …

        Gefällt 1 Person

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