Aufzucht eines Digital Native

Medienkonsum Beobachtungen
Ich will ja über den Umgang mit elektronischen Medien in unserer Familie schreiben und hab’s auch schon getan (https://unangespiesst.wordpress.com/tag/medien/ ) und genau das möchte ich gern auf den neuesten Stand bringen. Allerdings. Das Thema ist so sperrig. Ich hab einen ellenlangen Text geschrieben und gelöscht, obwohl der eigentlich ganz witzig war. Kam aber nicht ganz auf den Punkt. Ist irgendwie auch alles schon gesagt zu dem Thema. Von „20 Minuten am Tag reichen“ bis „totale Selbstregulation“ würde alles schon vielfach ausformuliert. Angst vor übermäßigem Medienkonsum schwingt meist mit und ein Unterton von Rechtfertigungen. Selbst Media-Enthusiasten wirken irgendwie schuldbewusst, wenn sie die Kinder doch mal vorm Tablet parken. Überhaupt „parken“ – ironisch verlegen wird diesesWort gebraucht, denn natürlich ist das falsch, das wissen wir alle, aber manchmal geht es nicht anders, das wissen wir auch alle. „Haha, natürlich parke ich mein Kind nicht wirklich, haha! Nur manchmal ein kleines bisschen vielleicht, aber danach gibt’s nochmal ’ne extra Waldrunde!“ Also ich parke mein Kind ständig: vorm Fernseher, vorm Tablet, aber eben auch im Sandkasten, im Kinderzimmer… Aber das ist eine andere Geschichte. 

Jedenfalls. Ich weiß es doch auch nicht. Und mach einfach. Motto meiner Elternschaft ist quasi try and error. Für diese Herangehensweise ist gezielte Beobachtung essenziell. Ich muss ja mitbekommen, wann etwas schief läuft. Deswegen folgen hier jetzt einfach einige Beobachtungen, Anekdoten vielleicht, eine Art lockeres Protokoll zum Status quo des kindlichen Medienkonsums im Hause Unangespießt. 

Subjekt: Kind, zwei Jahre und drei Monate alt, genannt „Zweijährige“

Der Begriff „Fernsehen“ wird hier der Einfachheit halber als Synonym für das Schauen audiovisueller Formate auf jeglichem Abspielgerät verwendet. 

  • Es gibt Phasen, in denen die Zweijährige sehr viel fernsehen will und Phasen, in denen sie es kaum oder gar nicht will. Innerhalb längerer Phasen, die mehrere Wochen andauern können, gibt es Schwankungen, es gibt Konsumspitzen und -tiefs, die meist einige Tage andauern. Einige Tage lang schaut sie ein bestimmtes Format bevorzugt, wechselt dann auf ein anderes. 
  • Die Zweijährige hat jetzt gerade wieder eine Phase, in der sie viel schauen will. Zur Zeit bevorzugt sie das Schauen auf dem Tablet, obwohl ihr dort die selben Medien (Netflix, YouTube) wie auf dem Fernseher zur Verfügung stehen. 
  • Sie schaut in letzter Zeit gern: 

– Shaun, das Schaf

– Animierte Clips aus der Sendung mit der Maus

– Animierte Clips aus der Sendung mit dem Elefanten

– Peppa Pig

– Fürchterliche Dinge, die sich auf YouTube mit dem Suchen von „painting children“ finden lassen

  • Zur Zeit recht selten spielt die Zweijährige auf dem Tablet die App „Raupe Nimmersatt“.
  • Morgens vor dem Weg zum Kinderladen schaut die Zweijährige fern, während ich sie aufs Töpfchen setze und für den Tag fertig mache. Sie wird dabei wach und bekommt gute Laune. Zur Zeit möchte sie mit dem Opening von „Shaun, das Schaf“ geweckt werden und freut sich dabei. 
  • Egal, wie müde sie ist, die Zweijährige schläft beim Fernsehen nicht ein. 
  • Manchmal schaut sie vollkommen versonnen allein fern, manchmal fordert sie Anwesenheit eines Elternteils, manchmal fordert sie aktives Mitschauen. Sie stellt dann auch gern Fragen über Fragen, meistens: „Warum?“
  • In Phasen, in denen die Zweijährige viel fernsieht, stellt sie überhaupt oft viele Fragen (besonders „warum“) und lässt sich auch gern Bücher von uns erzählen. In solchen Phasen spielt sie generell weniger aktiv, sondern bevorzugt eben rezeptive Tätigkeiten. 
  • Die Zweijährige hat Slapstick für sich entdeckt und lacht laut über Szenen, in denen Wasser gespritzt, Torten geworfen, weggerannt oder gepupst wird. Solche Szenen erzählt sie dann auch gern nach. 
  • Manchmal schaut sie ganz passiv fern, manchmal spielt oder tobt sie währenddessen. 
  • Mein Mann hat ihr das Videospiel „Zelda – The Windwaker“ auf der Wii U gezeigt und nun sieht sie liebend gern zu, wie wir es spielen. Sie stellt andauernd Fragen dazu, möchte den nicht angeschlossenen Controller halten und gibt inzwischen sogar Anweisungen, wo die Spielfigur hingehen soll. 
  • Für „Pokémon Snap“ konnte sich die Zweijährige sehr zu unserer Überraschung und unserem Verdruss bisher nicht begeistern. 

Ich denke, solche Beobachtungen könnten hier auf dem Blog weiterhin auftauchen, denn ich finde das recht faszinierend. Immerhin erlebe ich hier einen Digital Native beim Aufwachsen, the Future is now. Vielleicht ist das für einige Leute ganz interessant oder ich kann irgendwann zurückblicken und es beim nächsten Kind anders machen…

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