Kinderfreundliche Restaurants in Berlin – LoL nope

Mit Kindern ins Restaurant, geht das? Oder mit Großeltern? In Familiencafés gibt’s nur kalte Küche und was sind überhaupt die Kriterien für kinderfreundliche Gastronomie? 

„Essen gehen klappt ja noch nicht“, hörten wir von meinem Vater seit Geburt der kleinen Lady. Mit einem Baby, das war klar, kann man nicht ins Restaurant gehen. Wenn es weint, und das machen Babys nunmal immer wieder, stört es Gäste und Personal und womöglich wird man der Örtlichkeit verwiesen. „Und du stillst ja noch“, bekräftigte der Opa seine Haltung. Stillen vor anderen – gar fremden! – Menschen, das geht natürlich gar nicht. Ich war damals selbst noch unsicher mit dem Kleinchen und den Möpsen und nahm das mal so hin. 

Die kleine Lady wuchs und meine, sowie meines Mannes Kühnheit ebenso. Wir überzeugten den skeptischen Großvater: „Doch, doch, das klappt!“ Es folgten ein paar Restaurentbesuche in einer Phase, in der die kleine Lady das Knabbern an einem Stück Brot für eine gute halbe Stunde so unterhaltsam fand, dass wir tatsächlich ein bisschen fremd bereitete Speisen zu uns nehmen konnten. Wir reizten die Lage nicht bis zum Desert aus, doch genossen mal wieder anatolische, kreolische und indische Küche. Mit zunehmender Mobilität schwand der kleinen Lady jedoch die Gemütsruhe, mit gesteigerter kulinarischer Offenheit verflüchtigten sich ihre Tischmanieren: sie wollte spielen, laufen, entdecken – und mit dem Essen rum matschen. Mein Vater zeigte sich milde besorgt lächelnd. Und rief hinter unserem Rücken meine Mutter, seine Exfrau, an: so ginge das doch nicht mit dem Tischverhalten der Enkelin, sie solle den Kindern doch mal ins Gewissen reden! Mich bat er, der Zweijährigen doch wenigstens beizubringen, sich von mir füttern zu lassen. Ich schnappte nach Luft und verwarf alle Pläne für einen weihnachtlichen Restaurantbesuch für die nächsten zwölf Jahre und spielte mit dem Gedanken, überhaupt nie wieder mit dem Opa in einem Raum Nahrung zu konsumieren. Meine Mutter, die ich empört Unterstützung heischend angerufen hatte, stand überraschenderweise zum ersten Mal seit Dekaden auf der Seite ihres Exmannes: „Du musst zugeben, sie isst ja auch wie Miss Piggy!“ Es folgten Erziehungstipps bzw. der Erziehungstipp unter den Erziehungstipps: Kinder. Muss man. Erziehen. Ja nee. Grundsatzdiskussion und so. Jetzt nicht. 

Die Suche nach El Dorado

Zuvor, also vor diesen frustrierenden Gesprächen mit der Parentalgeneration, hatte ich mich ganz naiv auf die virtuelle Suche nach einem kinderfreundlichen Restaurant begeben. Haha. 

  
Diesen utopischen Ort meiner Träume stellte ich mir folgendermaßen vor:

  • Angestellte, die Kinder nicht hassen
  • evtl. kleine Spielecke i.e. kleiner Tisch mit Papier, Stiften und ein zwei Kinderbüchern
  • evtl. kleiner Garten/ Spielplatz vor der Tür
  • warme Speisen

In einer großen Stadt wie Berlin wird es ja wohl irgendwas in der Art geben! Haha. Naive me. 

Exkurs

Ja, es gibt „Familiencafés“ oder „Spielcafés„, wie ich im Laufe meiner Mutti-Karriere gelernt habe. Find ich auch richtig toll. Dort gibt es Platz (irgendwas zwischen 4 und 20 Quadratmeter, je nach Etablissement) zum Spielen, oft mit Bällebad, Spielzeug, kleineren Turngeräten oder auch mal ganz waldorfig reduziert mit viel Freiraum und wenig Holzspielzeug. Dazu findet die Begleitung auch Tische und Stühle wie in so nem richtigen Café. Serviert wird meist kalte Küche, Frühstück zu jeder Tageszeit, Kuchen, Smoothies, in manchen Fällen frische Waffeln. Hunger leiden muss man nicht, auch wenn die Preise in manchen Berliner Gegenden mich bei einem Glas Wasser verweilen lassen. Meist kostet die Nutzung des Spielraums pro Kind ein, zwei Euronen. Ist mein Gewissen weniger schlecht, wenn ich mich drei Stunden lang an meinem Kräutertee zu 2,50€ aufhalte. 

Tolle Sache, diese Cafés. Sollte es überall geben. Wir haben gejubelt, als eines in unserer (!) Altstadt eröffnete: http://www.sonnenkind-koepenick.de Das hat uns letztes Jahr durch den Winter gebracht! 

Aber. 

Essen gehen kann man so nun mal nicht. Daher meine virtuelle Quest über Twitter, Facebook und natürlich google. Über Twitter bekam ich eigentlich nicht viel mehr als das:

  
Oh. Zu viel verlangt, hm? Wenn selbst die Alu von http://www.grossekoepfe.de/ keinen Tipp für mich hat…

Über Facebook fand ich noch weniger bzw. den Verweis auf diese Hitliste von 2012 (bei Berliner Lokalitäten ist das alles andere als aktuell!), die auch den besten meiner Google-Funde darstellte: 

Kinderfreundliche Restaurants in Berlin

https://www.tip-berlin.de/kinderfreundliche-restaurants-berlin/ 

Die Liste ist lang, da wird wohl was dabei sein. Was macht wohl ein Restaurant aus, das als kinderfreundlich bezeichnet wird, das explizit für Familien mit Kindern empfohlen wird? Mal schauen…

Ein Restaurant wird als „ausgesprochen familienfreundlich bezeichnet, „mit seinen langen Tischen“. Aha. Lange Tische. Naja, vielleicht gibt’s da noch was besseres. „Die Tische sind von Kindern selbst bemalt“ Hey, wenn die Zweijährige da direkt weiter malen kann, dann passt das sogar! Aber da geht’s wohl eher um eine abgeschlossene Deko-Idee und nicht um einen laufenden künstlerischen Prozess… Es gibt „Suppen, die wir genauso gerne essen wie unsere Kinder“. Wow. Suppen. Die stehen bei Kindern auf der Hitliste ja sicher noch über Köstlichkeiten wie Püree oder Eintopf. 

Ein „nettes kleines Café […] mit Spielecke“ klingt gut, bietet als kulinarisches Highlight aber wieder nur Toast. Cafés eben. Das sind für mich keine Restaurants. Trotzdem sind viele auf der Liste, denn irgendwie scheint es Spielecken, wenn überhaupt, nur in Cafés zu geben. Außerdem bekommt man in Cafés Kuchen, Eis oder auch Waffeln und das meist schnell, was einen Besuch mit unruhigen, Süßkram verschlingenden Blagen kurz und unkompliziert macht. Richtig essen muss man dann aber eben wieder zu Hause. 

Auch Biergärten zählen bei mir nicht als Restaurants. Bier trinke ich nicht und die kulinarische Auswahl zwischen Würstchen und Schweinshaxe lockt mich maximal nach einem sehr langen Ausflug ins Grüne. Da reizt mich auch nicht die Aussicht auf „Hopfenkaltschale“, während „der Nachwuchs […] um die Biertische“ rennt. 

Ich spann euch hier auf die Folter, jetzt mal zur Sache: anhand dieser Liste konnte ich nachvollziehen, was eine kinderfreundliche Lokalität wirklich ausmacht. Hier also die Kriterien, haltet euch fest!

  • „direkt neben einem großen Spielplatz“ 
  • „Für die kleinen Gäste gibt es einen tollen Kinderteller.“ 

Ja, wenn du ein Restaurant neben einem Spielplatz eröffnest, rennen dir die Familien die Tür ein. Dann kann nämlich immer ein Elternteil in Ruhe essen, während das andere die Bälger auf dem Spielplatz rumscheucht. Wenn die Eltern sich gut verstehen, wechseln sie sich irgendwann ab. Große Tische brauchst du also nicht, sitzt ja immer nur ein einsamer Erwachsener beim Essen. Bietest du dann noch Kinderteller, halbe Portionen oder gar Fischstäbchen an, können sich die Eltern das Zeug einpacken lassen und den Bälgern direkt auf dem Spielplatz zum Fraß vorwerfen. 

Leider wollten wir ja nun an Weihnachten essen gehen und da bin ich manchmal etwas zimperlich mit dem Wetter und so. Und irgendwie hatten wir ja auch die verrückte Idee, und zusammen im Restaurant aufzuhalten und eben nicht zur Kinderbetreuung nach draußen aufzuteilen. 

Am Ende alles egal, meinen Eltern ist es eh peinlich, mit uns in der Öffentlichkeit zu essen. Hab ich mir die Arbeit umsonst gemacht, doch immerhin was gelernt. Mein absolutes Highlight auf dieser Liste, die zahlreiche kinderfreundliche Gastronomien vorstellt, war übrigens diese Beschreibung:

„Das lauschige Ambiente […] ist der beste Grund, auch mal ohne Kinder einen schönen Abend zu verbringen.[…] da fehlt nur noch der Anruf beim Babysitter.“

Es wird wohl Zeit, eine*n Babysitter*in zu suchen. Bis wir einen haben essen wir zu Hause. Oder binden die Kinder einfach draußen an wie hier vorgeschlagen:

  

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3 Kommentare zu „Kinderfreundliche Restaurants in Berlin – LoL nope

Gib deinen ab

  1. Wir gehen mit unserer fast dreijährigen ins „trattoria Lauretta“ in Tempelhof. Die haben zwar keine Kinder Karte oder eine spielecke aber sind verdammt kinderfreundlich. Lotte bekam stifte und Papier zum malen und eine kleinere (und daher günstigere) Portion Nudeln ohne das wir nachfragen mussten was man Kindern kredenzen könnte… Auch hat sich der Chef mit der kurzen beschäftigt und nen lutscher gab’s auch noch 😉
    Wicketisch ist auch vorhanden…

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe bisher auch erst einmal ein richtig gut auf Familien eingerichtetes Restaurant entdeckt. Leider in Frankfurt. Das ist nicht nur von euch, sondern auch von uns zu weit entfernt, um mal eben Essen zu gehen. (Zum lahmen Esel, für alle Frankfurter, die es noch nicht kennen)
    Dort gab es (Ohne dass wir fragen mussten) ein Mäppchen mit Buntstiften und eine Kinderkarte zum Ausmalen an den Tisch. Auf der Kinderkarte gab es fast genauso viele Speisen, wie auf der normalen Karte. Nicht einfach nur Pommes mit Minischnitzel oder FIschstäbchen. Wenn den Kindern zu langweilig wurde, konnten sie im hinteren Bereich ein ganzes Spielzimmer benutzen. Als wir dort waren, war für 6 Kinder genug Platz und Spielmaterial vorhanden.
    Und vor allem: Nicht nur das Personal, sondern auch alle anderen Gäste waren sehr kinderfreundlich eingestellt. Was sich mehr kinderlose Menschen mal ansehen sollten: Durch diese Freiheit waren die Kinder alle ruhig und gelassen in ihrem Spiel.

    Gefällt 1 Person

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