Pummelig

Hier und da erwähnte ich es in früheren Artikeln: die kleine Lady trug als Baby den inoffiziellen Titel des „Speckigsten Babys Weit und Breit“. Sehr sehr selten sah ich mal ein Baby mit vergleichbaren Speckröllchen, aber nie so proper wie mein Wonneproppen. Inzwischen ist sie 19 Monate alt, um einiges länger und immer noch pummelig, wenn auch bei Weitem nicht mehr so Buddha-artig (ihr wisst schon, der chinesische Lachende Buddha). Ein Bäuchlein, etwas Speck an Armen und Beinen, mehr nicht. Ich vermute gar, dass sie jetzt fast genauso viel wiegt wie vor sechs Monaten, dass sie sich eben einfach in die Länge gezogen hat. Wir haben keine Waage, deshalb kenne ich nur die Werte der jeweiligen U beim Kinderarzt, wo sie längenmäßig immer innerhalb der Durchschnittskurve lag, vom Gewicht her aber weit oberhalb. Bei einer Untersuchung (mit sechs Monaten?) fragten wir den Arzt, ob wir uns sorgen müssten und er war ganz irritiert. „Sie stillen doch? Ausschließlich? Na dann ist das ganz normal! Die Kinder sind eben verschieden!“ Und das war das. Und die kleine Lady war stets fidel, mobil und gut entwickelt. Soviel dazu.
Die Anderen
Nun ist sie immer noch moppelig, gut im Futter, kräftig usw. Sie ist aber ein kleines Kind, deshalb verzeiht ihr die Gesellschaft das noch. Ja, irgendwie wirkt dieser knuddelige Körper mit seinen Speckfältchen besonders anziehend auf viele Menschen und ich vermute schon einen verschütteten Urinstinkt nahe der Reaktion auf das Kindchenschema: ein dickes Kind macht uns ganz zufrieden, denn es ist ja so offensichtlich gesund und wohl genährt. Evolutionär ja unsere wichtigste Direktive – gut ernährter Nachwuchs. Dem entgegen spricht natürlich unsere moderne Konditionierung: dünner, dünner, dünner. Dass die schon für Kleinstkinder greift, zeigen mir Ausflüge in Kinderkleidungsabteilungen. Vielleicht gibt es leise Stimmen in den Hinterköpfen der Leute, die unser Kind zu dick nennen. Aber da ich die nicht hören kann, muss ich mich damit nicht auseinandersetzen. Stattdessen pass ich auf, dass niemand die kleine Lady zu heftig knuddelt. Besonders, wenn sie jetzt im Sommer mit wenig bis keiner Kleidung rumläuft, ist das nämlich das größte Risiko! 

Die anderen Kinder

Tatsächlich verhält sich der Drang sie zu knuddeln antiproportional zur Menge ihrer Kleidung – gerade bei anderen Kindern. Die wollen die kleine Lady dann unbedingt auf den Arm nehmen, ihre Arme anfassen oder ihren Bauch streicheln. Es ist eine meiner größten Freuden, solche Szenen zu beobachten! Wie verhalten sich die Kinder, wie verhält sich mein Kind? Manche sind zurückhaltend, andere sehr stürmisch. Gemein haben sie diese Zärtlichkeit, diesen unschuldigen, liebevollen Kontakt. Einen anderen Menschen einfach mal berühren wollen, kitzeln, streicheln. Und die kleine Lady sticht mit ihrer offenen Art und eben auch ihrem etwas rundlichen Körper dann doch etwas hervor. Die Kinder fragen: 

„Was ist das?“ „Was hat sie da?“ Und zeigen auf die kleinen Speckfalten. Ich erkläre, dass das Speckfalten sind, weil sie so dick ist.

„Warum sieht sie so aus?“ Ich sage, dass manche Menschen dicker und andere dünner sind.

„Findest du sie trotzdem hübsch?“ (Was für eine Frage, was für eine faszinierende Frage von einem vierjährigen Mädchen!) Ich sage, dass ich sie sehr schön finde!

Die Kinder bewundern die weiche Haut der kleinen Lady und wie gewandt sie auf dem Trampolin springt und wie sie ausgelassen lacht. Und die kleine Lady ist froh und nackt und macht Arschbomben.

Die Anderen nochmal 

„T (Bezugserzieherin im Kinderladen) hat gefragt, warum unser Kind so dick ist“, erzählt mein Mann als er nach Hause kommt. Oh ha, denke ich, was denke ich jetzt? Ist das übergriffig, sowas zu fragen? Nun, eigentlich ist es gut, das die Pädagogin auch auf den körperlichen Allgemeinzustand unseres Kindes achtet. Ja, ich finde das gut. Natürlich musste mein Mann dann erklären: Stillkind, bekommt nicht viel Zucker oder so, keine gesundheitlichen Probleme. Damit hatte sich das Thema, die Pädagogin wollte ja nur Bescheid wissen. 

Noch vor einen Jahr – zur Zeit des -Lachenden-Buddha-Babys – hörten wir häufiger Kommentare. Gerade von Verwandten. Von Diät wär gar die Rede. Bei einem Kind, dass kaum Beikost aß… Und natürlich: „Wenn sie erst laufen lernt, schmilzt das alles!“ Überhaupt, Sport sollten wir sie machen lassen. Heute noch wird uns das gelegentlich gut meinend empfohlen. Ja, nun, joggen war ich mit ihr noch nicht, aber davon abgesehen, weiß ich nicht, wie man mit einem Kleinkind etwas anderes unternehmen kann als körperliche Aktivitäten. Klar, Bücher angucken und malen – für zehn Minuten. Ist ja nicht so, als ob so ein Kind auch nur annähernd die Ausdauer hätte, mal so zwei bis fünf Stunden „Batman – Arkham Knight“ zu zocken. Ich könnte das ja, aber das Kind – pfft! Fängt nach zwei Minuten Fernsehen schon wieder an zu toben! Keen Sitzfleisch! Stattdessen: „Rampiin! Trampiin!“ (heißt: Trampolin) Und so schmelzen die Pfunde und mein kleines Mochi* ist schon lang kein Mochi mehr…
* japanische Süßigkeit aus Reismehl – weiß, weich, rundlich und überaus süß

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