Schöne kinderfreie Welt

Man kann sich aufregen im Internet und darüber. Leute im Internet (z.B. das Nuf… ) regten sich auf über diesen Cafébesitzer in Berlin, der sich übers Stillen aufgeregt hatte. Paula Deme regte sich in der Huffington Post über diese sich aufregenden Leute auf. Sie schimpfte in ihrem Artikel über Ausdrucksweise und Heftigkeit der Kommentare gegen den besagten Cafébesitzer und auch gegen sie selbst. Sie sprach sich für die Entscheidungsfreiheit des Cafébesitzers aus. Eine Passage ihres aufgeregten Artikels ist in den letzen Tagen bei mir hängen geblieben: 

„Nicht jeder mag in seiner Freizeit 24/7 von Kindern und Müttern umgeben sein. […] Wenn ich Kinder habe, meine Damen, wechsle ich aus der Szenekneipe in ein familienfreundliches Lokal, denn ich werde nicht verkrampft versuchen, weiter mein Leben zu leben wie es vor dem Kind war.“

Recht hat sie. Kinder können belasten. Plärrende Säuglinge, Warum fragende Dreijährige, umhertobende Fünfjährige, aufmüpfige Sechsjährige, alberne Zwölfjährige. Und Eltern können ihre Sprösslinge nicht immer kontrollieren. (Können sie das überhaupt?!) Stattdessen mischt sich ihre Überforderung mit dem Gebaren der Kleinen und eh man sich versieht, stürzt eine dreiköpfige Familie (mit zwei Erwachsenen!) ein ganzes Café an einem sonst so ruhigen Sonntagvormittag ins Chaos: „Nee, Matilda, nicht hinter die Theke!“ „Guck mal, Mama, ich bin Barrista!“ „Matilda, kommhierher!“ „Papamama, ich bring euch Kakao!“ „Lassdaslos! Gib HER!!“ *schepperklirr* 

Sowas nervt doch. Einige kritische Kommentare kamen denn auch von Eltern selbst: man hat ja zu Hause schon den Trubel, da will man im Café/Restaurant/sonstwo auch mal seine (kinderfreie) Ruhe haben. Verdientermaßen. Und bei Leuten ohne Kinder rennt Frau Deme mit ihrer Forderung ohnehin offene Türen ein. Man ist ja schließlich nicht ohne Grund kinderlos. 

Also lasst uns doch einmal träumen…

Von einer kinderfreien Welt

Wenigstens auf Zeit. So drei einhalb Tage die Woche. Freitagnachmittag bis Montagabend zum Beispiel. Quasi geteiltes Sorgerecht für die Welt.

Kein Vierjähriger an der Hand seines Vaters versperrt mir den Weg auf dem Bürgersteig mit diesem elendig langsamen Kleinkindertempo. Auf dem Spielplatz nur ein paar kiffende Mitzwanziger. Familienfreier Tag im Zoo. Keine Bollerwagen, keine Schlange am Eisstand. Ruhe im Freibad. Stille aus der Nachbarwohnung um 8 Uhr morgens am Samstag. (Nur ein verdächtiges Stöhnen – die machen doch hoffentlich kein Kind?!) in der Bibliothek habe ich die Kinderbücherabteilung für mich ganz allein. Ebenso den Dancefloor in der Disco. Zugegeben, da sieht man selten Minderjährige. In der Szenebar und im Fitnessstudio ist das Bild auch nicht so anders als sonst, aber es geht ja um’s Prinzip! IKEA am Wochenende! Man hört quasi die Grillen zirpen. (Da war doch mal was mit Stillen im IKEA-Restaurant…) 

Herrlich. Ich genieße die Ruhe. Oh, halt, das kann ich ja gar nicht. Ich bin ja zu Hause mit meinem Kind. Oder im Familiencafé. Oder wo sonst? Ich möchte ja niemanden stören. Niemandem die kinderfreie Freizeit verderben. Vielleicht könnten wir so Zonen einrichten – für Familien, für Familienlose. Muss ja nicht alles aufgeteilt werden, ein paar neutrale Bereiche sind auch ok. Biosupermärkte zum Beispiel. Schöne freie Welt. 

 

Advertisements

2 Kommentare zu „Schöne kinderfreie Welt

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: