Wochenbett-Flashbacks

Die ersten knackig kalten, Sonnen armen, regnerischen Tage sind in Berlin angekommen. Jedes Jahr um diese Zeit packt es mich: das wohlige Schaudern – der Herbst ist da, das Winterhalbjahr beginnt! Und ich denke an Kastanien, Kerzenlicht, Couchkuscheln, Harry Potter, Schmalzstulle, heißen Kakao, Regenspaziergänge, Grünkohl, Weihnachtsdeko basteln, Marzipan, Game of Thrones, Fable auf der X-Box 360, Rotkohl … Doch  dieses Jahr ist alles anders. 

Die Tage waren grau und kurz und kalt…

… als die kleine Lady auf die Welt kam. Letztes Jahr. Das ist zwar noch keine zwölf Monate her, aber die ersten grauen Tage dieses Jahr haben dieses Gefühl in mir aufsteigen lassen. Dieses… Wochenbettgefühl. Brrr. Unser Wochenbett war jetzt nicht total furchtbar. Direkt währenddessen war es eigentlich ziemlich okay. Es war ein Ausnahmezustand. Mit eigenen Regeln. Wie ein Aufenthalt im All. Es gab sogar Momente der Gemütlichkeit, wenn auch nicht so viele wie das Wort „Bett“ vermuten lässt. Vor allem anderen aber war diese Zeit eines – und jetzt seien bitte alle Kinderlosen, die mal Kinder haben wollen, versichert, dass das folgende eine spezifische Einzelerfahrung ist, die sich nicht verallgemeinern lässt und überhaupt bin ich da eine absolute Ausnahme! – Chaos. Ausnahmezustand eben. Totale Entwurzelung. Kontrollverlust. Es gab manches, das bei uns nicht wie geplant lief und ein paar Komplikationen und es gab vieles, das gut war. Wir hatten viel Glück, viel Ruhe, etwas Unterstützung. Es war schon okay. Aber da ist diese wirklich bittere Nachgeschmack. Und diese enorme Erleichterung, dass diese Zeit vorbei ist. Und jetzt kommen die Flashbacks…

Ich erinnere mich jetzt verstärkt an diese Zeit, spüre sie wieder und fürchte mich vor dem Winter. Diese dunkle Zeit. Sonst genieße ich die doch immer. Nun ist da gelegentlich dieser bittere Geschmack und ich habe Angst, das der mir meine Lebkuchen verleidet. Geht das nur mir so? Nein. Habe schon mit zwei Müttern darüber gesprochen und die kannten das Phänomen. Und beide hatten es damals aus verschiedenen Gründen sehr schwer und ich kann mir vorstellen, dass auch sie ein bisschen erschauern in der Erinnerung. Vielleicht auch mehr als das. 

Lichtblicke

Warum auch immer das so ist. Ob das jetzt ein häufiges Phänomen oder eine Ausnahmeerscheinung ist. Was auch immer. Lichtblick ist natürlich das Kind. Unser kleines Mädchen, das bald ein Jahr alt ist. Sie ist jetzt Teil dieser Winterzeit und wächst in unsere Welt mit Räucherkerzen und Rotkohl hinein. Sie entwickelt sich zur Zeit so schnell, dass alles ständig im Wandel ist und nichts mehr Ähnlichkeit mit letztem Jahr hat. Den ganzen Tag im Bett hängen und nichts gebacken kriegen? Pfft, nicht möglich. Im Schlafzimmer ein riesiges Chaos aus Windeln, Milchpumpenzubehör und Kissen? Pfft, nicht nötig.  

Lichtblick ist auch mein Mann, der einfach nur das Jetzt genießen kann und nicht von diesen weibischen Sentimentalitäten geplagt wird. Echt jetzt, ich steh ja gar nicht auf Geschlechterklischees, aber irgendwie treiben mich die Hormone oder Wasauchimmer ziemlich um. Gut, dass mein Mann mich immer mal wieder erdet.
Ich versuche also diese Zeit zu genießen – Herbstzeit, Weihnachtszeit, Außerhalb-des-Wochenbetts-Zeit. 

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3 Kommentare zu „Wochenbett-Flashbacks

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  1. ich denke es hat damit zu tun, dass dein Baby 1 Jahr alt wird. Bei jeder Tochter habe ich rund um den ersten Geburtstag die Zeit vor und während der Geburt nochmal durchlebt und viel geträumt. Irgendwie ist so ein ganz wichtiger Abschnitt zu Ende und den muss man nochmals anders durchleben.

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