Blogparade: Wurde dein Kind am VET geboren?

Auf http://familienleicht.de/blogparade-wurde-dein-kind-am-vet-geboren-zum-aktuellen-schiedspruch-der-ausschlusskriterien-fuer-hausgeburten/ wurde zur Blogpatade aufgerufen anlässlich der neuen Regelung, die außerklinische Geburten ab ET+3 quasi unterbindet. War die kleine Lady übers Verfallsdatum? Aber sowas von! Das war so…

Ich wusste. Ich wusste einfach. Ich wusste einfach, dass ich, wenn ich mal schwanger wäre, lange schwanger wäre. War mir klar. Mein Kind? Kuschelig schwimmend und mit Nahrung versorgt? Da können wir lange warten. Optimistisch rechnete ich mit einer Ankunft bei ET+7, glaubte aber nicht wirklich dran. Mein Mann hätte ja gern bei ET-9 ein Halloween-Baby gehabt, da hatte ich nicht so Bock drauf. Wurde auch nix. Aber dann in den nächsten Tagen hätte es gern losgehen können…

Der Haken

… war ja auch bei uns schon an der Sache. Hausgeburt. Darf die Hebamme ja nur bis maximal ET+14 begleiten. Also durfte. Jetzt ja eben nicht mehr. 14 Tage sind recht viel. 14 Tage sind furchtbar kurz. Letzten Endes ist es ja eine 28 tägige Spanne, die sich um den errechneten Termin (ET) auftut, innerhalb der das Kind kommen „darf“. Vorher zählt es als Frühchen, nachher als übertragen. Sofern es heutzutage ein Nachher gibt, denn bis dahin wird die Geburt ja für gewöhnlich eingeleitet. Im Krankenhaus. Und dort wollte ich ja absolut nicht hin. 

Krank

… wurde ich erstmal kurz vor ET. Fette Erkältung. Ich lag flach. Meine Hebamme besuchte mich und schaute nach mir. Wir machten uns keine Sorgen, wussten aber: das Kind kommt erstmal nicht. Denn so macht das der Körper: wenn er anderweitig gefordert und geschwächt ist, leitet er die Geburt nicht ein. Dem Baby ist die Erkältung egal. Den Krankassen aber wohl auch – krank sein wird wohl nicht als Entschuldigung fürs Überschreiten des ET gelten, oder?

Warten

Der ET kam und ging. Und wir gingen ins Geburtshaus. Ab ET +1 alle zwei Tage. Dort gab es ein gemütliches Beisammensitzen mit unserer Hebamme und ein ungemütliches CTG. Ab ET+7 gingen wir dann jeden Tag. Und ich wurde nervös. Sehr nervös. Am Ende der Woche drohte die Geburt im Krankenhaus. Ich schwankte zwischen Pessimismus und Unglauben: haben wir jetzt echt für 100€ einen Geburtspool gemietet, um jetzt im Krankenhaus zu landen?! Ich heulte. Ich war angepisst. Ich war vielleicht auch mal tapfer, das weiß ich mich mehr so genau. Ich hatte keine Lust mehr auf CTGs. Ich hatte verdammte Angst. Es war eine Scheißzeit.

Es war alles in Ordnung. Mir ging’s gut, Baby ging’s gut, CTG war supi. Aber keine Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. „Manche Frauen“, meinte meine Hebamme, „sind eben 43 Wochen schwanger. “ Joah, dachte ich, klingt nach mir.

Arschtritt

Meine Hebamme bemühte sich in der Zwischenzeit, dieses zögerliche Baby sanft anzuschubsen. Die ganzen Tricks: Zimt, Himbeerblättertee, Badewanne, Globuli, Ehemann induziertes Oxytocin, Nelkenöl, Briefe ans Baby… Dieses zeigte sich gänzlich unbeeindruckt. 

So besprachen wir schließlich das letzte Mittel: der Rizinus-Cocktail. Igitt. Es gab für mich mehrere Gründ dagegen. Außerdem hatte ich schlicht und ergreifend Angst davor. Aber ich vertraute meine Hebamme vollständig und sie nahm mir meine Ängste. Wir vereinbarten also, dass ich den Cocktail am vorletzten Abend vor Ablauf der Frist nehmen würde. Entweder das Kind käme dann spätestens am nächsten Tag oder ich müsste dann eben ins Krankenhaus. Das war nicht ganz die Wahl zwischen Pest und Cholera, aber ein bisschen. 

So erzähle ich jetzt immer, dass die kleine Lady mit einem Arschtritt auf die Welt befördert wurde. Denn das war es. Einige Stunden nach Einnahme des Cocktails überkam mich das, was man, glaube ich, Wehensturm nennt. Schmerzhafte Wehen ohne Pausen. Es dauerte eine ganze Weile bis die sich einpendelten und es war einfach kein schöner Beginn für die Geburt. 
Selbstbestimmt zu Hause
Trotz dieses heftigen Anfangs bin ich froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Denn so konnte ich doch zu Hause die Geburt haben, die wir uns gewünscht hatten. Und im Krankenhaus hätte mir ja ebenso eine Einleitung geblüht – dann aber eben ohne Kerzenlicht und Pool. 
Schön wäre es gewesen, hätten wir auf dem Arschtritt verzichten können. Diesen Schritt waren wir ja nur gegangen, um die Geburt noch zu Hause durchführen zu können. Ansonsten hätten wir gern auf einen natürlichen Beginn gewartet. Die letzten zwei Wochen hätte ich dann auch nicht unter derartigem Druck gestanden. Aber das war ja wohl noch der pure Luxus im Vergleich zum Status quo. Entschuldigt mich, ich muss jetzt mal ein bisschen zur Alleingeburt recherchieren…

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