#Elterneinsamkeit

Nach dem, was ich so auf Blogs lese, scheint diese Krankheit ja nicht nur mich zu befallen. Wie nennt man viele einsame Menschen auf einem Haufen? Wer jetzt „Gruppentherapie“ oder „Single-Abend“ sagt, liegt knapp daneben. Je nach Anzahl lautet die Antwort Dorf oder Stadt. 
Na, wie auch immer. Die kleine Lady braucht soziale Kontakte. Ich weiß ja nicht, wie das bei anderen ist, aber wir haben hier nach drei Tagen ohne andere Kinder ein launisches, quengeliges Baby, das abends nicht müde ist. Deshalb bin ich ständig bemüht, Playdates (ätzendes Wort, aber wahr) zu organisieren. Nun sind wir in unserem Freundeskreis aber die einzigen mit Kind. Brauchen also neue Freunde. Innerhalb der letzten neun Monate (oder eigentlich länger, denn das fängt ja schon im Geburtsvorbereitungskurs an) habe ich also immer wieder alles an Charme aufgebracht, was nur ging, immer und immer wieder meine Schüchternheit überwunden und ständig versucht, meine Verrücktheit zu unterdrücken, ohne dabei langweilig zu wirken. Mit wenig Erfolg. Eine gute Babyfreundschaft hat sich etabliert und wurde auch stetig ordentlich ausgereizt. Ich mein, wer trifft sich denn mit jemanden, den man gerade erst kennengelernt hat, direkt viermal die Woche? Also, ohne, dass Beischlaf im Spiel wäre. Aber mit Baby – da weiß man jeden gemeinsam verbrachten Tag zu schätzen! Naja, in den letzten Wochen sind noch ein paar Muttis dazugekommen, die auch noch alle in Fußlaufweite wohnen. Das entspricht im Elternuniversum einer sprudelnden Ölquelle. Dennoch…

Diese Tage

… an denen irgendwie alle anderen Kinder krank sind. Oder verreist. (Scheißsommerferien haben mich schon als Kind vereinsamen lassen!) Das Schwimmbad ist geschlossen. Der Abenteuerspielplatz zu. Und eigentlich ist das Kind sowieso für alles noch zu klein. Außer für’s Nörgeln. An diesen Tagen bin ich einsam. Mit Mann, mit Kind. Wir sind zu dritt einsam.

Wenn die Elterneinsamkeit zuschlägt, dann…

… muss ich heulen, wenn jemand eine Verabredung absagt.

… gehe ich meine Kontakte durch und rufe Leute an, bei denen ich mich eigentlich nicht mehr melden wollte, weil die sich ewig bei mir nicht gemeldet haben.

… geben mein Mann und ich zu viel Geld aus, weil wir shoppen gehen, um wenigstens etwas zu tun bzw. neues Spielzeug zu kaufen.

… verfluche ich diese genügsamen Eltern mit ihren genügsamen Kindern, die einfach zu Hause bleiben und sich selbst genug sind.

… verfluche ich noch viel mehr diese Eltern, die Freunde haben. Mit Kindern. Und Familie in der Nähe. Und soziale Unternehmungen. 

… bin ich ständig kurz davor, auf offener Straße wildfremde Menschen mit Kindern anzuquatschen.

… durchstreife ich das Internet auf der Suche nach Kontakten. Trete Facebookgruppen bei. Schreibe Anzeigen. 

… male ich düstere Zukunftsvisionen für mein Kind, das genauso ein Außenseiter ohne Freunde wird wie seine Eltern.

… kann ich mich zum Glück auf meinen Mann verlassen, der ganz ruhig und fürchterlich gut gelaunt seine beiden zickigen Frauen bespaßt und es schafft, irgendwie zu verhindern, dass wir beide nur heulend auf dem Boden sitzen.
Kennt noch jemand solche Tage? Wozu treibt euch die #Elterneinsamkeit? 

Nachtrag

Wie gesagt, hab ich ja manchmal den Drang, einfach andere Eltern anzuquatschen nach dem Motte: „Hey, haben Sie heute schon was vor? Wir könnten uns auf die Wiese bei uns im Hof setzen. Wir haben sogar ein Planschbecken!“ Aber sowas kommt in unserer Gesellschaft leider nicht so gut an. Also, es wäre doch toll, wenn es ein Zeichen gäbe, dass einem das erlaubt. Eine Art Code. Eine grüne Schleife an Kinderwagen oder Babytrage, die heißt: ich freue mich über neue Elternkontakte! Oder, weil wir ja im Hier und Jetzt leben, eine App. Kontaktfreudige Eltern in deiner Nähe. Wie Tinder, nur für Menschen mit Kindern. Ich nenne sie… „Kinder“.

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7 Kommentare zu „#Elterneinsamkeit

Gib deinen ab

  1. gib dir Zeit! Es ist ein neues Leben, mit ganz neuen Regeln. Ich hatte lange das Gefühl alle hier in der Gegend kennen sich, sind zusammen aufgewachsen – nur ich bin fremd. Die Idee mit dem Code finde ich übrigens gut:-) Doch deine Bemühungen tragen sicher über kurz oder lang Frucht. Nur weiter so. Übrigens sind Spielplätze immer ein guter Ort, oder das Ikea Restaurant, oder die Fussgängerzone.

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    1. Hab heute im Supermarkt an der Wand für Kleinanzeigen ein Gesuch einer 70 jährigen Rentnerin gesehen: „Suche andere Rentner für gemeinsame Unternehmungen“ Dachte mir, das ist meine Zukunft.

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  2. Oh ich kenne das nur zu gut :-). Alle sind im Urlaub, es regnet in Strömen und beide Kinder sind Nörgeltiere! Was ich heute gemacht habe? Die beiden zu Ikea entführt, lecker zu Mittag gegessen, das Kind spielen lassen, neue Kissen für mich gekauft und danach war die Laune schon viel besser ;-). Also falls dir langweilig ist, ab zu Ikea!

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      1. Krabbelgruppe? Wir besuchen zwei pro Woche. Aber die ein, zwei Stunden sind ja nix, wenn man noch elf weitere am Tag zu füllen hat. Und eine Gruppe hat natürlich Sommerpause. Am besten, ich gründe noch zwei, drei weitere Gruppen!

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  3. Hey, ich hab haargenau das gleiche Problem. Gleich nachdem ich den Eintrag gelesen hab, hab ich bei „ich und die meinen“ geschaut wo du sitzt …. Berlin … könnte genausogut der Mars sein
    -___-
    Ich wohne seit 10 Jahren im Ruhrgebiet, und habe niemanden. Dabei wohnen hier laut Tante Wiki 5.135.136 Menschen! Vielleicht sind das zu viele? Ich zieh in ein Dorf, da muss man die Leute gezwungenermaßen kennenlernen. Kannst ja mitkommen 😀

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