Nicht anfassen! (zwei Anekdoten)

Gibt eigentlich genug Blogartikel zum Thema „Man fasst fremde Babys nicht an ohne zu fragen“, finde ich. Und ist eigentlich auch kein Thema, bei dem es viel zu diskutieren oder erklären gibt, finde ich. Man fasst fremde Babys nicht an. Basta. Aber nun hab ich diese Geschichte erlebt und ärgere mich immer noch, also muss ich sie aufschreiben.

Noli me tangere!

Mein Mann und ich an der Ampel, kleine Lady im Bondolino auf meinem Rücken. Ich seh die ältere Frau schräg hinter mir aus dem Augenwinkel und dreh mich gerade noch weg, als ihre Hand sich in Richtung Baby bewegt. „Bitte nicht anfassen“, sage ich zu ihr mit einem verlegenen Lächeln. „Oooh, ach Gott, ach Gott!“, ruft sie ironisch aus. Ich versuche zu erklären: „Sie würden es ja auch nicht mögen, wenn jemand fremdes Sie einfach so anfässt.“ „Das würde mir nichts ausmachen“, behauptet sie. Also trete ich zu ihr und streichen ihren Arm. (Mein Gehirn bekommt eine Gänsehaut, denn für mich ist das auf jeden Fall extrem unangenehm!) Nein, das störe sie nicht! Jetzt wird es meinem Mann zu bunt – er tritt zwischen uns und erklärt: „Sie haben Glück, dass ich es nicht gesehen habe, sonst hätten Sie jetzt einen gebrochenen Arm.“ Dem Mann der Grabscherin hinter uns vergeht beim Anblick des Gesichtsausdrucks meines Mannes schnell das aufmüpfige Grinsen, sie jedoch droht uns nun mit der Polizei. Während die ganze schreckliche Gesellschaft sich inzwischen über die Straße verteilt, faselt sie noch irgendwas davon, dass es ja gut für Kinder sei, sich an Fremde zu gewöhnen oder so. Für die nächste halbe Stunde bin ich jedenfalls furchtbar nervös und paranoid, was dir kostbare Fracht auf meinem Rücken angeht. Die hat im Übrigen dem ganzen Vorfall kaum Aufmerksamkeit gezollt. Noch bekommt sie sowas nicht mit. Auf jeden Fall ist „Fremden den Arm brechen“ ganz oben auf die Liste von Dingen, die wir unserer Tochter beibringen müssen, gewandert.

Und dieser Vorfall erinnerte mich an einen anderen aus der Zeit vor unserer Tochter. Man fasst nicht einfach an. Man fragt vorher. Immer. 

Cave canem!

Wir verreisten mit der Bahn aufs Land. An Ostern. Wie viele viele andere Menschen. Wir hatten viel Gepäck und unseren Hund dabei. Der wiegt 50kg und sieht aus wie eine Mischung aus Deutscher Dogge und Pitbull (was er womöglich auch ist). Stattlich. Beeindruckend. Respekteinflößend. Mit Maulkorb geradezu gruselig und den muss er laut Vorschrift in öffentlichen Verkehrsmitteln tragen. Da stehen wir also mitten auf dem Gang im Regio, an jeder Hand Gepäck und dann auch noch der Hund und sind umringt von Menschen. Und dann drängeln sich zwei Leute durch und an und vorbei und der eine streichelt doch glatt im Vorbeigehen diesen riesigen Köter. Einfach so, vom Kopf über die Wirbelsäule. Ich war baff. Der Hund war viel zu überfordert von all den Eindrücken, um überhaupt etwas zu merken. Und da war der Grabscher auch schon wieder weg. Um das klarzustellen: es wäre nichts passiert. Mein Hund ist ein gutmütiger, trantütiger Troll. Aber das weiß man doch nicht! Man weiß doch nicht, ob in so einer beengten, belastenden Situation dem Tier nicht eine Sicherung durchknallt! Und dann hilft auch der Maulkorb nix, wenn 50kg mitten in der Menschenmenge durchgehen! Bin seitdem nicht mehr mit dem Hund im Regio gefahren.

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