Planet Kinderlos

Irgendwann in der Wochenbettzeit schrieb ich einen Facebookpost, der sich an meine ganzen Freunde und Bekannten richtete: etwas darüber, dass mein Mann und ich gerade auf einem anderen Planeten seien und es kaum Kommunikationsmöglichkeiten gäbe. Es war ein nettes Bild, mit dem ich unsere Situation ganz gut erklären konnte und alle nahmen es mit viel Verständnis auf. Dass wir uns nicht meldeten. Dass wir keine Treffen vereinbarten und kaum Besucher einluden. Dass wir auch kein Interesse für die aktuellen Belange der anderen zeigten.

So ist das eben in der Wochenbettzeit. Bei einigen dauert das länger, bei anderen nicht so lang. Für mich war es tatsächlich ein monatelanger Prozess, mich wieder bereit für die Außenwelt zu fühlen. Für Treffen und Kontakte. Bereit, irgendwo hinzufahren. Inzwischen fühle ich mich viel eher wieder wie ich selbst und wie eine soziale Person, die mit verschiedenen Leuten interagiert.

Trotzdem… habe ich diesen fremden Planeten wohl doch nicht verlassen. Offenbar ist die Schwäche im Kommunikationssystem nicht einseitig. Funksprüche nach draußen kommen zwar durch, werden aber nicht immer beantwortet. Vermutlich gibt es dort, wo meine Freunde sind, atmosphärische Störungen oder die Empfängertechnologie muss mal gewartet werden…

 

Seit ich den Planeten Kinderlos verlassen habe, bekomm ich kaum noch Kontakt zu seinen Bewohnern!

 

Ich weiß um die erschwerten Bedingungen. Die Tagesrythmen beider Welten sind stark versetzt. Ist es dort Abend, herrscht hier schon Nacht und so weiter. Außerdem leben die Menschen dort ganz anders. Soweit ich verschwommene Satellitenaufnahmen interpretieren kann, verbringen sie ihre  Zeit hauptsächlich mit zwei Tätigkeiten: arbeiten und feiern. Übrigens Tätigkeiten, die ich schon zu meiner Zeit dort eher vermieden habe. Vielleicht bin ich deshalb ins All gegangen… Nun, hier auf dem Planet Mitkind sind wir zwar ständig beschäftigt, arbeiten aber nicht in dem Sinne. Zeit, eine Funkverbindung herzustellen, ist selten. Ausflüge mit dem.Shuttle sind aber machbar. Das wiederum scheint für die Bewohner von Kinderlos problematisch. Wenn überhaupt sind ihnen Reisen zu einer Zwischenstation im Orbit („Bar“) möglich. Diese liegt aber leider nicht auf der uns möglichen Flugbahn.

Einige verwegene Astronauten Kinderlos gibt es, die sich bis zu uns durchgekämpft haben. Und wir haben Einheimische hier auf Mitkind entdeckt. Neue Kolonisten wie wir. Das ist natürlich schön und ich hoffe, ein Netzwerk aufbauen zu können. Aber ich möchte den Kontakt zu meinem alten Heimatplaneten auch nicht vollständig abreißen lassen.

Ground Control, bitte kommen! Ground Control, hört ihr mich…?

 

 

 

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