Schöne Illusionen

Auf http://mama-notes.de/10-dinge-die-ich-dachte-bevor-ich-mutter-wurde/ listet Mama notes zehn Dinge, die sie dachte, bevor sie Mutter wurde – und zeigt, wie naiv und ignorant präreproduzierte Menschen sein können. Ja, ich hab ja auch so einiges gedacht bevor die kleine Lady auf der Welt war. Einige der Dinge auf dieser Liste kann ich auch auf meine schreiben – ich sag jetzt mal nicht, welche… Bei ein paar Dingen hatte ich aber schon so leise Zweifel. Ob mein Kind wirklich keinen Nuckel braucht, wenn ich es nach Bedarf stille? Ob unser Kind wirklich ein Langschläfer wird, wenn wir es ihm vorleben? Und zu diesen Zweifeln und genauso zu Menschen mit Kindern, die uns erzählen wollten, wie das mal wird, sagte ich: Das überhör ich jetzt!

Denn es ist doch so: manchmal ist das Unwissen eine warme schützende Decke, in die man sich hüllen kann. Aufstehen kann man, wenn der Wecker klingelt. Während der Schwangerschaft wollte ich nicht ständig denken: Das ist vielleicht die letzte Party, auf die du gehst – für die nächsten paar Jahre! Schmink dich nochmal dick, bald hast du dazu nicht mehr die Kapazität! Sex? Jetzt nochmal richtig versaut, bald nur noch Quickies! Nein, ich wollte lieber träumen. Von meinem tiefenentspannten Baby im Tragetuch auf jeder Party und auf der Couch, während ich Videospiele zocke. Und das waren gute Träume! Sie nahmen die Angst vor dem Unbekannten. Die Vorstellung, alle zwei Stunden in der Nacht wach zu sein und ein Baby zu versorgen, ist nämlich sehr beunruhigend für jemanden, der normalerweise bei weniger als neun Stunden Schlaf in der Nacht anfängt, körperlich und geistig abzubauen. So jemand flüchtet sich entweder in die Fantasie eines Schlafbabys – oder überlegt sich dreimal, ob man überhaupt ein Kind haben will und sollte. 

Ich bin ja eigentlich immer für Wahrheit und umfangreiche Aufklärung. Aber manche Dinge über das Elternsein muss und sollte man nicht zwingend wissen. Denn – und jetzt kommt die wichtige Pointe! – manche Aspekte lassen sich im Vorhinein gar nicht vermitteln. Man erfährt vielleicht von all den ungemütlichen oder ungewohnten Realitäten. Aber die damit einhergehenden Veränderungen kann man gar nicht so wirklich verstehen. Den Perspektivenwechsel. Die tiefgreifende körperliche und geistige Neuordnung. Die plötzlich eintretende Bereitschaft. Für. All. Das. 

Ich wusste nicht (= wollte nicht wissen), dass ein Baby, trotz vielleicht 16 Stunden Schlaf am Tag, einem keine Zeit und Energie für Sex oder Videospiele oder Make-up lässt. Aber ich wusste (= konnte nicht wissen), wie egal einem das wird. Oder mit wie wenig Schlaf man auskommen kann. Das hätte mir niemand glaubhaft vermitteln können. Jetzt weiß ich, wie zeitaufwendig Babys sind. Und wie schön. Des Weiteren weiß ich: Ob Nuckel oder nicht, ist auch egal. 

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