Brief an meine Ärztin

Ob ich diesen Brief jemals wirklich abschicke, weiß ich nicht. Es geht hier um eine Fehlgeburt, eine Ausschabung und die Folgen.


Sehr geehrte Frau Dr. K.,

bis Ende 2013 war ich Patientin Ihrer Praxis. Gewechselt habe ich nur, weil die Fahrtzeit für mich zu lang war. Ansonsten war ich sehr zufrieden, weil ich Sie immer als sehr freundlich und zuvorkommend erlebt habe. Eine Sache geht mir aber nicht aus dem Kopf und aus diesem Grund schreibe ich Ihnen. 

Sie haben mich durch mein erste Schwangerschaft begleitet, auch wenn diese nur einige Wochen gedauert hat. In der achten Woche stellten Sie fest, dass der Fötus wohl zu klein und kein Herzschlag erkennbar ist. Sehr sanft schlugen Sie mir vor, eine Woche später nochmal nachzusehen. Beim nächsten Termin stand die traurige Diagnose jedoch fest und wieder sehr sanft erklärten Sie mir die Notwendigkeit einer Curretage und haben mir als Vorbereitung für den Eingriff eine Cytotec-Tablette mit. Einige Tage später hatte ich im Krankenhaus die Vorbesprechung und dann schließlich dem Operationstermin. Alles verlief routinemäßig und komplikationsfrei. Sowohl von Ihnen als auch im Krankenhaus wurde ich darauf hingewiesen, dass diese Episode keinen Einfluss auf zukünftige Schwangerschaften haben würde. Sie jedoch fügten taktvoll hinzu, dass ich aus emotionalen Gründen besser ein paar Monate warten sollte. 

Es wurden nur zwei Monate und Ende November 2014 kam meine Tochter nach einer entspannten Schwangerschaft bei einer komplikationsfreien geplanten Hausgeburt auf die Welt. Nun, die Geburt war komplikationsfrei bis zur Nachgeburt. Später stellte sich heraus, dass die Plazenta wohl an einer Stelle mit der Gebärmutter verwachsen war, was dann zu einer dauerhaften Blutung führte und mich ins Krankenhaus brachte. Zwei Ausschabungen und einige Blutkonserven später hatte ich noch alles: ein gesundes Baby, mein Leben und meine Gebärmutter. Nur eben keine gemütliche Kuschelzeit zu Hause. Das belastet mich auch heute noch. Und mit der nächsten Schwangerschaft soll ich mindestens drei Jahre warten.

War mir dieses Risiko, das aus dieser ersten Curretage entstand, voll bewusst gemacht worden – durch Sie und die Mediziner im Krankenhaus? Ich bin mir da nicht sicher. 

Was mich aber inzwischen nicht mehr loslässt, ist diese Frage: Warum haben Sie mir keine Alternative genannt? Denn inzwischen weiß ich, dass viele Frauen auch eine solche Schwangerschaft natürlich beenden. Sie erleben die „kleine Geburt“, wenn ihr Körper von sich aus bereit ist, das verstorbene Kind loszulassen. Ja, dabei besteht ein geringes Risiko einer Infektion, aber das ist gerade unter ärztlicher Überwachung vertretbar. Warum haben Sie mir diesen Weg nicht vorgeschlagen? Lehnen Sie ihn aus irgendwelchen Gründen ab? Dann hätten Sie dennoch mir die Entscheidung überlassen müssen. Oder ist Ihnen diese Möglichkeit selbst nicht bewusst? Dann kann ich Ihnen nur dringend empfehlen, u.a. Hier nachzulesen: http://www.hebammenblog.de/die-kleine-geburt-ein-fehl-geburtsbericht/ Denn ich bitte Sie darum, anderen Frauen die Alternativen anzubieten. Ich werde mich vielleicht mein Leben lang Fragen, ob ich ohne Curretage nicht diese Blutung gehabt hätte… Niemand weiß das und ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Ich weiß ja nicht mal, ob ich mich gegen die Curretage entschieden hätte. Aber ich hätte gern die Wahl gehabt. 
Ich verbleibe im Zweifel, 
J
PS: Im Übrigen steht jeder Frau bei einer Fehlgeburt die Betreuung durch eine Hebamme zu. Auch das wusste ich nicht und ich wünsche mir, dass Gynäkologen/innen ihre Patientinnen auf solche Dinge hinweisen.

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