Falsche Wahrnehmung

Ganz kurzer Einstieg ins Thema: Hebammen. Klar, brauch ich aktuell kaum noch was zu zu sagen. Haftpflicht. Wer doch noch nicht weiß, worum es geht, kann u.a. mal hier nachlesen: http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=3177 Dass jedenfalls die Haftpflichtversicherung für die Hebammen in den letzten Jahren wegbröckelte, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Regressforderungen an sie immer häufiger gestellt wurden. Und vor Gericht durchkamen. Ganz oberflächlich habe ich auch von einigen strafrechtlichen Urteilen gegen Hebammen gelesen – und dabei jedes Mal ein Stückchen mehr Glauben an die deutsche Justiz verloren. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was da im Einzelnen abgelaufen ist. Aber aus meiner eigenen Erfahrung ist mir inzwischen klar, dass sich so einiges nicht nachweisen lässt beim Hebammenhandwerk. Besonders natürlich, wenn die Beobachter nicht richtig hinschauen (wollen?). Dazu zwei Anekdoten von mir…

Subjektives Erinnern

Während meiner Hausgeburt hat meine Hebamme mehrfach mit dem Dobtongerät den Herzschlag meines Babys abgehört. Ich erinnere mich da besonders an eine Gelegenheit, während einer Wehe, bei der ich mich nicht bewegen sollte. Das war echt ätzend! Aber es musste eben sein. Nun, in den ersten Woche. Danach könnte ich mich so an drei bis fünf solcher Messungen innerhalb des achtstündigen Geburtsverlaufs erinnern. Inzwischen erinnere ich mich eigentlich nur noch an die oben erwähnte Gelegenheit. Wie das alles verblasst!

Ich habe mir allerdings von meiner Hebamme das Geburtsprotokoll kopieren lassen und wunderte mich über die vielen Zahlenwerte darin. Könnten das…? Nein, so oft kann sie unmöglich gemessen haben! Doch. Hat sie. Ich habe nachgefragt. Immer und immer und immer wieder hat sie das Dobtongerät verwendet. So gehört sich das, so ist es Vorschrift.

Aber ich erinnere mich nicht! Kein bisschen. An vieles erinnere ich mich nicht… So ist das bei Geburten. Man geht in Trancezustände, Selbsthypnose, verliert Zeit- und Körpergefühl. Wenn es um aussagekräftige Zeugen für einen Geburtsverlaufs geht, ist die Gebärende selbst wohl die unzuverlässigste Quelle. (Was nicht heißt, dass ich eine Frau, die über ihre traumatische Geburt spricht, nicht vollkommen ernst nehmen würde!)

Meine Hebamme wieß mich darauf hin, das genau dieser Umstand vor Gericht zum Problem würde, wenn eine Frau Stein und Bein schwört, die Hebamme sei ihrer Kontrollpflicht nicht nachgekommen. Weil sie sich eben einfach nicht erinnert. 
Objektive Beurteilung

Nach meiner Geburt gab es bei mir ein paar Komplikationen, die schließlich mich ins Krankenhaus und meine Plazenta in die Pathologie brachten. Wochen später hatte meine Gynäkologin den resultierenden Bericht vor sich, las etwas von „mechanischer Einwirkung“ und meinte: „Da hat die Hebamme an der Nabelschnur gezogen, um die Plazenta rauszubekommen.“ Ich stritt das ganz schockiert ab. Keine meiner zwei Hausgeburtshebammen hätte sowas wohl getan und daran würde ich mich doch erinnern! Als ich meine Hebamme dazu befragte, erklärte sie mir die „mechanische Einwirkung“: Sie hatte ja etwas von der Plazenta abgeschnitten, zum Essen für meinen Mann und mich. 

Aber das wussten natürlich weder Pathologie noch Ärztin. Ein objektiver Bericht wurde von Fachleuten geschrieben und von einer Ärztin interpretiert. Vor Gericht wäre das ein klarer Fall. Nicht mal ein Zeugenaussage von mir oder meinem Mann hätte Aufklärung gebracht. Und die Hebamme fragt ja meistens keiner…

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