Unser Chaos – eine Analyse

Regte sich meine Mutter über unser Chaos auf und ich entschuldigte mich mit: „Wir waren halt ständig unterwegs die letzten Tage.“ Meinte sie: „Wid hat die Menschheit das bisher bloß geschafft?!“ Meinte ich: „Die waren halt alle besser als wir.“

Aber im Ernst: Was hätte uns eigentlich vom Aufräumen ab?

Eine Analyse

Nach einiger objektiver Überlegung könnte ich das Problem auf drei Faktoren herunterrechnen, die bei uns einer ordentlichen und sauberen Wohnung im Weg stehen. Als da wären:

  1. Faulheit
  2. Gelegenheit
  3. Baby

1 ist natürlich ein zwar verbreiteter, aber dennoch unschöner Wesenszug, den man, meine ich, entweder hat oder eben nicht. Ob erworben oder angeboren, ist vermutlich wissenschaftlich nicht geklärt. Sicher gibt es tausend Wege, diese Eigenschaft loszuwerden: Hypnose, Geld(mangel), Lebenskrise, Motten (nichts verhilft einem so schnell zum radikalen Frühjahrsputz wie Ungeziefer!) usw. In letzter Zeit ist aber davon nichts bei uns eingetreten. Und wie der Ex-Süchtige jeden Tag erneut seine Sucht überwinden muss, muss ich jeden Tag erneut gegen meine Faulheit ankämpfen. Ich bin stolz auf mich, denn inzwischen gewinne ich recht oft auf vielenGebieten.  Ich lüfte die Wohnung, kämme meine Haare, beantworte E-Mails. Und jetzt mit Baby erst! Da bleibt einem natürlich keine Wahl. Da überwinde ich so oft meine Faulheit, dass meine Willenskraft an anderer Stelle wiederum etwas schwindet. Manchmal gewinne ich trotzdem und räume den Geschirrspüler aus. Ein täglicher Kampf.

Doch gelegentlich fehlt mir die, äh, Gelegenheit. Wenn ich zum Beispiel beim Babyschwimmen oder beim Einkaufen bin, kann ich nicht gleichzeitig aufräumen. „Ich bin nicht zum Aufräumen gekommen“, ist also keine Ausrede, sondern quasi die Feststellung einer physikalischen Tatsache. Hierunter fallen auch Naturkatastrophen wie Krankheiten oder Muskelkater.

Hindernis Nummer 3 ist nun seit gut fünf Monaten präsent und ist gleichzeitig Ursache für noch mehr Chaos (lässt ständig überall Mullwindeln und Socken liegen), sowie Anreiz zur Beseitigung desselben (Was hat sie da im Mund?!). Nein, ehrlich, so praktisch der Bondolino auch ist – mit Baby vorm Bauch fällt das Aufräumen schwer. Es gibt wohl Kinder, die über längere Zeit damit zufrieden sind, irgendwo rumzuliegen, während die Eltern den Haushalt erledigen. Die kleine Lady hält von dieser Idee gar nichts. Inzwischen schläft sie tagsüber meist auch nur zweimal 30 Minuten und das auch nicht allein. Wir Eltern müssen uns also aufteilen, was jedoch nur funktioniert, wenn die kleine Lady bereit dazu ist. Manchmal hat sie eben einen Quengeltag. Oder einen Antipapatag. Oder einen Schlaftag. Oder sonstwas.

Es zeigt sich also, dass von drei Faktoren nur einer durch mich selbst beeinflussbar ist und das auch nur Tagesform abhängig. Ansonsten muss ich mich nach Terminen und Babywetter richten und dann müssen eben alle drei Parameter günstig zusammentreffen. Das ist so selten und beeinflussbar wie bestimmte Wetterphänomene. 

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